Projektbericht HESS AG

Produkt:
Dacharbeitsstand für die Produktion von E-Linienbussen
Kunde:
HESS AG in Bellach/Schweiz
Die HESS AG mit Sitz in Bellach im Kanton Solothurn ist ein traditionsreicher Schweizer Fahrzeughersteller und zählt zu den Pionieren im Bereich des Bus- und Nutzfahrzeugbaus, insbesondere für öffentliche Verkehrsbetriebe. Das im Jahr 1882 gegründete Familienunternehmen wird seit 1948 als Aktiengesellschaft geführt.
Neben der Produktion gehören auch Leistungen rund um Instandhaltung und Service über den gesamten Lebenszyklus der Fahrzeuge hinweg zum Leistungsspektrum. Am Standort Bellach sind die zentralen Funktionen Entwicklung, Fertigung und Service gebündelt. Ein sicheres und effizientes Arbeitsumfeld ist dabei von großer Bedeutung, insbesondere bei Arbeiten an Dachaufbauten und elektrischen Komponenten.
In der Linienbusfertigung fallen entlang mehrerer Produktionslinien regelmäßig Arbeiten auf dem Fahrzeugdach an. Damit diese Tätigkeiten sicher, ergonomisch und ohne Zeitverlust ausgeführt werden können, ist ein durchgängiger, gut erreichbarer Arbeitsbereich über die gesamte Fahrzeuglänge erforderlich, der sich an wechselnde Buslängen anpassen sollte. Vor diesem Hintergrund wurde bei HESS ein Dacharbeitsstand geplant und realisiert, der vier Produktionslinien abdeckt, eine Gesamtlänge von 23 Metern hat und sich im Betrieb flexibel konfigurieren lässt. Neben der Anpassbarkeit wurden eine zentrale Steuerung, produktionslinienbezogene Bedienpunkte sowie ein durchgängiges Zutritts-, Verriegelungs- und Rettungskonzept gefordert. Zudem wurde die Steuerung der Materialbereitstellung für die verschiedenen Komponenten auf dem Dach integriert und die Nutzung von Radgreifern zum Anheben der Busse für verschiedene Arbeitsschritte ermöglicht.
Eine zusätzliche Anforderung ergab sich durch die Integration der Anlage in eine Bestandshalle: Der Dacharbeitsstand wurde teilweise in die vorhandene Tragstruktur der Halle integriert. Dabei waren die statischen Voraussetzungen des Bestandsbaus und das betriebliche Brandschutzkonzept, insbesondere an Durchdringungen, Abstände und Material-/Kabelwege, zu berücksichtigen.
Umsetzung: Dacharbeitsstand mit elektrisch angetriebenen Ausschüben
Die Hauptaufgabe bestand in der Umsetzung von vier 23 Meter langen, beidseitigen Dacharbeitsständen. Die Arbeitsbereiche lassen sich mithilfe elektrisch angetriebener Ausschübe auf der linken und rechten Seite an die jeweiligen Buslängen anpassen. Die Ausschübe sind dabei in Segmente unterschiedlicher Länge – 3, 5 und 6 Meter – ausgeführt, sodass sich die Arbeitsfläche je nach Fahrzeuglänge genau abgrenzen lässt. Dabei kann der Ausschub bis zu 550 Millimeter ausgefahren werden, wodurch sich die Plattformen kontrolliert in Richtung Fahrzeug positionieren lassen. Eine gummierte Kontaktleiste, die sich über die gesamte Länge jedes Segments erstreckt, übernimmt eine Schutzfunktion: Bei Berührung mit dem Fahrzeug wird die Bewegung sofort sensibel gestoppt, um sowohl die Anlage als auch das Fahrzeug vor Beschädigungen zu schützen.
Die Übergänge wurden in Form eines trittsicheren, engmaschigen Stahl-Gitterrosts mit Rutschhemmung R10 ausgeführt. Gerade in den Bereichen, in denen Bewegung, Richtungswechsel oder Übergänge stattfinden, entsteht so eine robuste, alltagstaugliche Oberfläche. Auf den Ausschüben sind über eine Länge von rund 14 Metern steckbare Geländersegmente integriert, sodass die Absturzsicherung der jeweiligen Plattformkonfiguration folgt.
Die Einbindung an die Hallenträger und die Führung der technischen Komponenten wurden so umgesetzt, dass die brandschutzrelevanten Vorgaben des Bestands eingehalten wurden.
Steuerung und Bedienung: Klarer Zugriff je Linie
Die Steuerung des Dacharbeitsstands erfolgt über einen zentralen, gemeinsam mit der Hess AG konfigurierten Siemens-Steuerschaltschrank. In diesem werden die Antriebe, Sicherheitskreise und logischen Freigaben zusammengeführt. Für den Betrieb im Tagesgeschäft wurde je Produktionslinie eine zentrale Bedienstation in Form eines Bedienpanels am jeweiligen Treppenaufgang platziert. Damit stehen die wesentlichen Funktionen dort zur Verfügung, wo der Zugang beginnt und der Dacharbeitsstand in Arbeitsposition gebracht wird. Zugleich bleibt die Bedienverantwortung je Linie eindeutig zugeordnet. Zusätzlich ist eine Ampel zur Einfahrtkontrolle integriert, deren Signale an die Grundstellung gekoppelt sind. Erst wenn die Ausschübe vollständig eingefahren sind und sich der Dacharbeitsstand in der Grundstellung befindet, werden Ein- und Ausfahrt der Fahrzeuge freigegeben.
Das Einrichten des Dacharbeitsstandes erfolgt über die jeweilige Bedienstation. Türverriegelungen, Übergangsfreigaben und weitere Sicherheitsfunktionen sind dagegen technisch an definierte Anlagenzustände gekoppelt. So lässt sich die Anpassung an unterschiedliche Fahrzeuglängen im Alltag systemgesteuert durchführen, ohne dass sicherheitsrelevante Funktionen umgangen werden. Insgesamt unterstützt diese Kombination aus zentraler, linienbezogener Bedienstation und eindeutiger Zustandsanzeige dabei, unnötige Wege und Wartezeiten zu reduzieren. Gleichzeitig beugt sie
Fehlbedienungen vor und ermöglicht es, die Arbeitsplätze entlang der vier Dacharbeitsstände im geplanten Takt effizient und wirtschaftlich zu nutzen.
Zutritt, Verriegelung und Rettungswege
Pro Dacharbeitsstand wurden zwei Zugangstüren installiert, die durch eine elektromechanische Türverriegelung gesichert sind. Die Verriegelung ist so konzipiert, dass sie neben dem regulären Betriebsmodus auch Flucht- und Notentriegelungsfunktionen unterstützt. Zusätzlich wurden Verbindungstüren zwischen den Linien 1/2 und 3/4 installiert. Diese können erst geöffnet werden, wenn die beiden zugehörigen Dacharbeitsstände inklusive Fahrzeug vollständig eingerichtet sind. Dadurch werden Übergänge ausschließlich in einem definierten, sicheren Zustand genutzt.
Am Ende jedes Dacharbeitsstandes wurde zudem eine Notabstiegsleiter installiert, die ebenfalls über eine elektromechanische Türverriegelung mit Flucht- und Notentriegelung verfügt.
Zugang und Absturzsicherung: durchgängig und praxisnah
Der Zugang erfolgt jeweils über eine ergonomische Treppe mit beidseitigem Handlauf. Zur zusätzlichen Orientierung sind die erste und die letzte Stufe gemäß Industriestandard deutlich markiert. Die Plattform liegt bei einer senkrechten Höhe von drei Metern. Die Plattform- und Stufenbeläge sind aus gerieftem Aluminium gefertigt und für den industriellen Einsatz robust dimensioniert. An der Plattform ist ein einseitiges Geländer mit Handlauf, Pfosten, Knieleiste und Fußleiste installiert. Um die Länge jedes Fahrzeugs erfassen zu können, wurden individuell verschiebbare Front- und Heckabsturzsicherungen entwickelt und in die Dacharbeitsstände integriert.
Materialbereitstellung und Prozessintegration
Zur taktgerechten Materialversorgung wurden an jedem Dacharbeitsstand Palettenstellplätze installiert. Diese sind für eine Belastung von bis zu 500 kg ausgelegt und über ein Sicherheitskonzept mit zwei Türen abgesichert: Eine Tür dient der Warenbereitstellung und wird von unten bedient, die andere Tür befindet sich oben und dient der Warenentnahme. Beide Türen sind gegenseitig verriegelt, sodass beim Öffnen einer Tür die andere automatisch gesperrt wird. Dadurch wird eine ungesicherte Öffnung verhindert, während die Materialbereitstellung im Takt trotzdem verlässlich möglich bleibt.
Auch die Nutzung der Radgreifer ist in die Sicherheitslogik eingebunden. Die Schaltung und Steuerung sind so ausgeführt, dass die Radgreifer nur dann verstellbar bzw. einsetzbar sind, wenn die Plattformen eingefahren sind und sich der Dacharbeitsstand in der Grundstellung befindet. Somit ist die Verwendung technisch an einen definierten, sicheren Zustand gekoppelt und eine Fehlbedienung im Produktionsalltag ausgeschlossen. Mit dem realisierten Dacharbeitsstand verfügt die Hess AG über eine Lösung, die vier Produktionslinien abdeckt, die Arbeit am Busdach über eine große Länge ermöglicht und sich im Betrieb an unterschiedliche Buslängen anpassen lässt. Zentrale Steuerung und Bedienpunkte je Linie strukturieren die Abläufe im Alltag. Verriegelte Zugänge, klar freigegebene Übergänge und der Notabstieg sichern die Arbeit zusätzlich ab. Die Materialbereitstellung ist direkt in den Arbeitsbereich integriert und unterstützt den Fertigungstakt. So greifen Sicherheit und Effizienz ineinander, ohne Abstriche bei Bedienbarkeit und Taktfähigkeit.
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